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Gelebte Integration

16. Januar 2018

Gelebte Integration beim TSV

INTEGRATION – ein zur Zeit stark strapaziertes Wort. Was ist Integration? Es gibt keine einheitliche Definition. Das lateinische Wort „integrare“ bedeutet „wiederherstellen“, „ergänzen“.

Gemäß „Die Bundesausländerbeauftragte“ wird Integration wie folgt erklärt:

In einem allgemeinen Verständnis bedeutet Integration die Eingliederung in ein Ganzes, die Herstellung einer Einheit aus einzelnen Elementen oder die Fähigkeit einer Einheit, den Zusammenhalt der Teilelemente auf Grundlage gemeinsamer Werte und Normen zu erhalten. In der Wissenschaft herrscht keine Einigkeit über den Begriff der Integration, Integration wird entweder als Prozess, als Funktion oder als Ziel verstanden und grenzt sich von Termini wie Separation, Assimilation oder Konflikt ab.

Soziale Integration ist gelebte Integration, vor allem in Sprache, Bildung, Arbeitsmarkt, Partizipation am gesellschaftlichen Leben, Anerkennung von Werten und Identifikation innerhalb des Ziellandes.

Foto 1Vielerorts wird es schon sehr erfolgreich praktiziert, auch bei uns im TSV Blau-Weiß 65 Schwedt e.V., dem größten Sportverein in der Uckermark. Schon seit vielen Jahren ist der Verein anerkannter Stützpunktverein bei „Integration durch Sport des DOSB“, hat als starker Partner in der Vergangenheit schon zahlreiche Projekte für Personen mit Migrationshintergrund durchgeführt und sehr erfolgreich abgeschlossen. Mit Einsetzen der Flüchtlingswelle 2015 fanden mehrere Flüchtlinge / Asylsuchende den Weg in unseren Verein, z.B. in die Abteilungen Gewichtheben und Badminton und fühlen sich dort sehr wohl, haben sich integriert und nehmen rege am Vereinsleben teil. Hier soll nun von einem jungen pakistanischen Vereinsmitglied berichtet werden, welcher mit offenen Händen in die Abteilung Badminton aufgenommen wurde.  

Seit dem Jahre 2016 ist Danish Mirza Mitglied im TSV Blau-Weiß 65 Schwedt e.V. und spielt zwei Mal pro Woche Badminton. Aber wie fand Danish den Weg zu uns in den Verein? Bei einem Gespräch in ganz kleiner Runde mit ihm und Doreen Roskosch, Übungsleiterin Badminton, konnte ich erfahren wie es ihn nach Deutschland verschlagen hat. Danish Mirza ist 28 Jahre alt und kommt aus Pakistan und ist im September 2015 nach einmonatiger Flucht in Deutschland angekommen.

Danish musste sein Heimatland wegen politischer und religiöser Verfolgung verlassen, er hatte kein bestimmtes Ziel und auch keinen bestimmten Plan, so ließ er es mich wissen, aber nun ist es eben Deutschland geworden. Angekommen in Eisenhüttenstadt und von da aus ging es weiter nach Schwedt. Ein junger Mann, welcher nach über 2 Jahren so gutes Deutsch spricht – für mich beachtenswert. In seinem Heimatland hat er Business und Ökonomie studiert und den Bachelor-Abschluss in der Tasche, des weiteren hat er eine abgeschlossene Ausbildung zum Krankenpfleger. In seiner Zeit im Asylbewerberheim hat er viele Angebote wahr genommen, wie einen Sprachkurs, einen Integrationskurs, Praktika und Ausbildungsmöglichkeiten. Ein Praktikum im „Kursana“ Pflegeheim ging für Danish dann in ein Angestelltenverhältnis über und er arbeitet nun als Pflegehelfer im Schichtdienst. Ihm gefällt seine Arbeit – „Alle sind nett zu mir, die Mitarbeiter und die Patienten.“ – so seine Antwort auf meine Frage. Foto 2

Aber wie ist er nun zu uns in den Verein gekommen. Im Asylbewerberheim war es langweilig und bei einem „Tag der offenen Tür“ hatten sich Vereine und Organisationen präsentiert – so auch der TSV – so kam dann Danish in die Sporthalle Külzviertel zum Kraftsport bei Roland Taubert (Trainer und Abteilungsleiter). Da in der Nachbarhalle gerade die Badmintonspieler Training hatten sprach Roland Taubert dann Doreen Roskosch an, … da wäre jemand der Badminton spielen kann, aber nur Englisch spricht“ – und schon war der sehr schüchterne junge Mann bei Sportlern in seiner Sportart, die er schon zu Hause betrieben hat, angekommen. Das war im Jahre 2016. Nun sind gut 2 Jahre vergangen, Danish Mirza hat eine eigene Wohnung, den Führerschein gemacht, eine feste Anstellung und fühlt sich wohl. Auf meine Frage ob er schlechte Erfahrungen gemacht hat sagt er mir: „Alle sind nett und freundlich, viele haben ihm geholfen – auch aus dem Verein, er hat neue Freunde gefunden. Ich bin glücklich und zufrieden.“ Danish kommt zweimal pro Woche zum Training, nimmt an den verschiedenen Turnieren teil, auch bei Unternehmungen der Badmintonspieler außerhalb der Halle ist er dabei – so es seine Arbeit zulässt. Danish Mirza – ein junger hochqualifizierter Mann, welcher seinen Weg in Deutschland gefunden, seine Schüchternheit abgelegt hat und mir offen gegenüber getreten ist. Sich angepasst hat und voll in die Gesellschaft integriert ist. Ich habe Respekt vor dieser Leistung.

Wir alle wünschen ihm weiterhin viel Erfolg.

Carla Pilz

 

 

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